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    20.07.2020

    Mitgliederinterviews - Herr Prof. Nawito

    Prof. Nawito
    Prof. Nawito Prof. Nawito
    • microTEC Südwest: Guten Tag, Herr Prof. Nawito, bitte stellen Sie sich unseren Lesern kurz vor.

      Prof. Nawito: Im Jahr 2017 habe ich das Start-up Polymath Analog an der Universität Stuttgart gegründet. Seitdem agiere ich als Geschäftsführer und arbeite eng mit Kunden, um innovative Lösungen zu entwickeln. Polymath Analog ist zwar offiziell nur seit 2020 ein Mitglied bei microTEC Südwest, jedoch nehme ich schon seit 2014 aktiv an den Clusteraktivitäten teil. In dieser Zeit war ich beim Institut für Mikroelektronik Stuttgart IMS CHIPS und habe das Institut bei den Fachgruppen Mikromedizintechnik (damals Intelligente Implantate) sowie In-vitro Diagnostik vertreten. Ich besuche auch die Clusterkonferenz regelmäßig seit 2014 u. a. um Ergebnisse unserer clustergeförderten Forschungsprojekte (Konkamis, SmartImplant ...) zu präsentieren.
      Neben meiner Tätigkeit bei Polymath Analog, bin ich Professor und Studiengangsleiter für Elektrotechnik an der IUBH internationale Hochschule im Fernstudium.

       

      microTEC Südwest: Sie waren ja vor Ihrer Selbstständigkeit bereits über IMS CHIPS mit uns in Verbindung. Wie sind Sie erstmalig mit microTEC Südwest in Berührung gekommen?

      Prof. Nawito: Meine aller erste Aufgabe am IMS CHIPS war, ein Analog zu Digital Wandler Chip im Rahmen des Clusterprojektes KonKamis zu entwickeln. Das war im Jahr 2010. Seitdem bin ich öfter mit Vertretern und Mitgliedern der microTEC Südwest in Kontakt gekommen. Im März 2014 habe ich zum ersten Mal die Clusterkonferenz, und auch die schöne Stadt Freiburg besucht und im Dezember 2014 nahm ich an der 4. Fachgruppensitzung Intelligente Implantate, die jetzt Mikromedizintechnik heißt, teil.

       

      microTEC Südwest: Könnten Sie nun bitte auch Ihr Unternehmen vorstellen? Was machen Sie, wer sind Ihre Kunden?

      Prof. Nawito: Polymath Analog ist für unsere Kunden der Partner für die Entwicklung von multifunktionalen, hochpräzisen und energieeffizienten elektronischen Chips. Wir decken ein großes Spektrum von Anwendungen ab mit besonderem Fokus auf Biomedizin, Industrie 4.0 und Internet der Dinge. Unsere Leistungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

      • Design und Entwicklung von ASICs mit einem „turn-key“ Ansatz. Das bedeutet zusätzlich zu den Chips, entwickeln wir die relevante Software, Hardware (Platinen, Boards, u. s. w.) für Testung und Inbetriebnahme.
      • Unterstützung und Begleitung bei der Elektronikentwicklung in üblicher Konsultationsrolle. Zusätzlich dazu agiert Polymath Analog bei Arbeiten mit Dritten als ein „Elektronik Anwalt“, wo die elektrotechnischen Bedürfnisse/Interessen der Kunden im Mittelpunkt stehen. Unsere Aufgaben beinhalten „Critical Design Reviews“, Durchführung technischer Diskussionen sowie Gutachten/Bewertung von Chip und Elektronik Anbieter.
      • Aufbauen von neuem Wissen bei den Kunden. Dies erfolgt durch „Trainings and Workshops“, wo wir die Grundlagen von ASIC Entwicklung den Kunden erklären sowie über die neusten Techniken und Richtungen informieren. Dieses Know-how hilft unseren Kunden, jetzige Herausforderungen besser zu adressieren sowie strategische Pläne zu gestalten.

       

      microTEC Südwest: Das hört sich alles sehr interessant an. Welche Aktivitäten im microTEC Südwest-Netzwerk sind für Sie besonders wertvoll und warum? Was erwarten Sie von der Mitgliedschaft bei microTEC Südwest?

      Prof. Nawito: Für mich sind die Fachgruppensitzungen eine unverzichtbare Aktivität. Sie sind eine Art vernetzende "one-stop-shop", wo ich die Möglichkeit habe, mich mit Kollegen auszutauschen, mich über den Stand der Technik zu informieren und um Kooperationen und neue Projekte auszuloten.
      Meine Erwartung ist das die Mitgliedschaft bei microTEC Südwest neue Vernetzungsmöglichkeiten und damit neues Wachstumspotenzial für Polymath Analog mitbringt.

       

      microTEC Südwest: Was würden Sie sich noch wünschen von microTEC Südwest?

      Prof. Nawito: Mein Wunsch ist es, dass wir diese "physikalischen" Treffen durch digitale und virtuelle Veranstaltungen ergänzen. Angesichts der buchstäblich beispiellosen Veränderung der Welt während des COVID-19-Ausbruchs glaube ich, dass das Online-Erlebnis eine entscheidende Rolle bei der technischen Vernetzung spielen wird. Es wäre großartig, wenn microTEC Südwest frühzeitig eine solche neue Richtung einschlagen und seine Dienstleistungen mit digitalen Angeboten ergänzen würde.

       

      microTEC Südwest: Nun noch ein paar Fragen zu Ihnen als Person: Was fasziniert Sie an Ihrem Fachgebiet?

      Prof. Nawito: Was mich antreibt, ist die gleiche Motivation, die viele Menschen in Wissenschaft und Technik antreibt, nämlich zu verstehen, wie die Dinge funktionieren und vielleicht einen Weg zu finden, wie sie besser funktionieren können. Für mich war dieser Antrieb schon sehr früh in Richtung Elektrik und Elektronik gerichtet. Im Alter von acht Jahren nahm ich das Transistorradio meines Vaters auseinander (und machte es natürlich so kaputt, dass es nicht mehr repariert werden konnte) und mit zehn Jahren begann ich, kleine Hobbyschaltungen zu bauen.

      Und ich muss sagen, dass meine Leidenschaft für die Elektronik viele Jahre später nur noch gewachsen ist. Das Faszinierendste am Design von Elektronik-Chips ist neben der Tatsache, dass es wirklich Spaß macht, die Möglichkeit andere Bereiche kennenzulernen. Da Chips praktisch überall einsetzbar sind, müssen Elektronikdesigner ihr Wissen z. B. über Elektromagnetik aufpolieren, wenn sie auf hochfrequente Anwendungen abzielen, oder ihr Wissen über Biologie aufpolieren, wenn sie auf biomedizinische Anwendungen abzielen, usw. Diese Vielfalt an neuen interessanten Herausforderungen ist für mich unersetzbar.

       

      microTEC Südwest: Wo in Stuttgart halten Sie sich am liebsten auf?

      Prof. Nawito: Stuttgart bietet eine schöne Mischung aus Stadtleben und Natur. Das passt sehr gut zu uns, weil meine Familie und ich eine große Liebe zur Natur haben. Wir genießen lange Wanderungen oder Radtouren im Grünen. Ich verbringe auch gerne Zeit am Neckar. Er ist zwar etwas kleiner als der Nil, aber er hat eine schöne Ähnlichkeit mit ihm und erinnert mich an meine Heimatstadt Kairo in Ägypten.

       

      microTEC Südwest: Lassen Sie uns gemeinsam einen Blick in die Zukunft wagen. Was denken Sie, wird sich, sagen wir in 50 Jahren, bemerkenswert geändert haben? Haben Sie eine Vision?

      Prof. Nawito: Ich glaube, wir werden Zeugen von zwei großen Entwicklungen werden, die sich stark auf unser Leben auswirken werden (sowohl im Guten als auch im Schlechten). Zum einen wird Hardware im wahrsten Sinne des Wortes allgegenwärtig werden. Wie Sie sehen, in der heutigen Welt, die von Software dominiert wird, ist es nicht ungewöhnlich, die Bedeutung und den Einfluss von Hardware zu übersehen. Die großen Fortschritte in den Bereichen KI, Telekommunikation und soziale Medien wurden jedoch nur durch Fortschritte in der Mikroelektronik ermöglicht. Ausgehend von den neuen Entwicklungen, die wir derzeit auf den Gebieten der flexiblen Elektronik, der Entwurfsmethoden und der Integration der KI in die Chipentwicklung sehen, werden in den nächsten 50 Jahren überall Chips integriert werden: in Stoffe, in Fasern, in die Umgebung und sogar in unseren eigenen Körper.
      Auf der anderen Seite steht die personalisierte Erfahrung im Mittelpunkt: personalisierte Medizin, personalisierter Transport, personalisierte Medien. Das große "Handy-Experiment", wo jeder einen tragbaren, kommunikationsfähigen Rechner bei sich hat, ist nur die Spitze des Eisbergs, wenn es um maßgeschneiderte digitale Erfahrungen geht.

       

      microTEC Südwest: Welche Zukunftsthemen werden in diesem Jahr Ihrer Meinung nach besonderes Gewicht haben?

      Prof. Nawito: Wie vorher implizit erwähnt, die Digitalisierung des Arbeitsplatzes und damit die Digitalisierung der Wirtschaft. COVID-19 hat meiner Meinung nach, Türen geöffnet, die nie wieder geschlossen werden.

       

      microTEC Südwest: Möchten Sie unseren Lesern noch etwas mit auf den Weg geben?

      Prof. Nawito: Ich rate allen, insbesondere den Entwicklern neuer Technologien, verantwortungsbewusst und sorgfältig mit ihren Entscheidungen umzugehen. Die sozialen Auswirkungen der Technologie sind fast unmittelbar nach ihrer Einführung in der Öffentlichkeit spürbar. Mit dem Risiko, so zu klingen, als würde ich predigen, glaube ich, dass wir als Gesellschaft uns der Rolle, die die Technologie in unserem Leben spielt, bewusster und besser informiert sein sollten als je zuvor. Wir sollten unseren eigenen technischen Errungenschaften immer einen Schritt voraus sein.

       

      microTEC Südwest: Herzlichen Dank für die Zeit, die Sie sich genommen haben, um unserer Fragen zu beantworten. Wir wünschen Ihnen eine gute Zeit und viel Erfolg.

    • microTEC Kontakt

      Amandus Bieber
      Marketing

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