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    30.03.2021

    Mitgliederinterviews – Dr. René von Metzen (NMI Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut an der Universität Tübingen)

    Dr. René von Metzen
    Dr. René von Metzen  
    • microTEC Südwest: Guten Tag, Herr Dr. von Metzen, bitte stellen Sie sich unseren Lesern kurz vor.

      Dr. von Metzen: Ich bin Wissenschaftler am NMI Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut an der Universität Tübingen in Reutlingen und leite den Bereich Biomedizin und Materialwissenschaften und eine Arbeitsgruppe, die sich mit Mikromedizin- und Nanotechnik beschäftigt. Das NMI ist seit 31.10.2006 Mitglied bei microTEC Südwest und seither dort sehr aktiv.

       

      microTEC Südwest: Wie sind Sie erstmalig mit microTEC Südwest in Berührung gekommen?

      Dr. von Metzen: Durch die Aktivitäten des NMI hat es sich für mich früh angeboten, an den Fachgruppen Oberflächentechnik und Mikromedizin (damals noch „Intelligente Implantate“) teilzunehmen. Der offene Dialog der Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft und die Möglichkeiten, die sich aus diesen Netzwerken ergeben, haben mich von Anfang an begeistert. Außerdem machen die Fachgruppentreffen Spaß.

       

      microTEC Südwest: Könnten Sie nun bitte auch Ihr Unternehmen vorstellen? Was machen Sie, wer sind Ihre Kunden?

      Dr. von Metzen: Das NMI ist ein Forschungsinstitut der angewandten Forschung mit Sitz zwischen Tübingen und Reutlingen. Gegründet wurde das NMI 1985 und weist seither ein stabiles Wachstum mit vielen Ausgründungen auf.

      Unsere Mission ist die wirtschaftliche Nutzbarmachung von Forschungsergebnissen. Wir unterstützen ebenso kleine wie große Unternehmen bei F&E-Projekten, von einzelnen Dienstleistungen bis zur Teilnahme an öffentlich geförderten internationalen Verbundprojekten. Ein interdisziplinäres Team aus Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen forscht in den Gebieten Pharma und Biotech, Biomedizin und Materialwissenschaften sowie Analytik und Elektronenmikroskopie.

      In unseren Reinräumen entwickeln wir microTEChnische Systeme z. B. für die Biologie, Neurologie, Pharmakologie und Mikrosensorik. Anwender und Technologen bündeln ihre Expertisen und können daher ein umfassendes Kompetenzspektrum nutzen, um schnell zu Ergebnissen zu kommen.

       

      microTEC Südwest: Welche Aktivitäten im microTEC Südwest-Netzwerk sind für Sie besonders wertvoll und warum?

      Dr. von Metzen: Die Netzwerke, die mir durch microTEC Südwest zugänglich sind, passen hervorragend zu meinen Interessen. Das Gespräch mit Gleichgesinnten ist dabei genauso wichtig wie der Austausch mit Referenten aus anderen Disziplinen. Über die Fachgruppen und die Clusterkonferenz haben sich eine Vielzahl wertvoller Kontakte ergeben, die mir für meine Arbeit wichtig sind und bleiben werden.

       

      microTEC Südwest: Welche Bedeutung messen Sie unseren Fachgruppen zu?

      Dr. von Metzen: Die Fachgruppen sind ein funktionierendes Mittel, die Vernetzung verschiedener Akteure voranzubringen, woraus sich Kooperationen und Partnerschaften bilden. Das basiert auf dem gegenseitigen Interesse und der Neugier, aber auch auf einer gewissen Notwendigkeit, das berufliche Netzwerk stetig auszubauen. In den Fachgruppentreffen begegnet man sich regelmäßig, wobei auch immer neue Gesichter dabei sind. Dadurch ist ein vertrauensvoller Umgang entstanden.

       

      microTEC Südwest: Nun noch ein paar Fragen zu Ihnen als Person. Was fasziniert Sie an Ihrem Fachgebiet/Ihrem Aufgabenspektrum am NMI?

      Dr. von Metzen: Ich glaube, dass wir uns in einer für die Mikromedizin sehr spannende Phase befinden. Einerseits sind viele Methoden der MicroTEChnik bereits lange etabliert, andererseits liegen noch wesentliche Herausforderungen vor uns. Dieses Themenfeld bietet daher von der Erforschung fundamentaler Prinzipien bis zur Anwendung ein riesiges Spektrum, das ich in meiner Position als Wissenschaftler in der angewandten Forschung erleben darf. Ich profitiere vom täglichen Austausch mit anderen Fachdisziplinen und bin von hoch motivierten, kompetenten Kollegen umgeben. Besonders viel Spaß macht es mir, gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Wissenschaft neue Projekte zu initiieren.

       

      microTEC Südwest: Wo in Reutlingen halten Sie sich am liebsten auf?

      Dr. von Metzen: Am NMI.

       

      microTEC Südwest: Lassen Sie uns gemeinsam einen Blick in die Zukunft wagen. Was denken Sie, wird sich, sagen wir in 50 Jahren, bemerkenswert geändert haben? Haben Sie eine Vision?

      Dr. von Metzen: In 50 Jahren wird sich keiner mehr vorstellen können, dass wir eine Industrie haben konnten, die fundamental auf dem Verbrennungsmotor basiert. Fragen der Energiegewinnung und ‑speicherung werden immense Fortschritte gemacht haben und wesentliche Wirtschaftsfaktoren sein. Produktionsketten werden auf nachhaltigen Kreislaufsystemen basieren. Der bis dahin fortgeschrittene Klimawandel wird ein Umdenken im Verständnis von Wirtschaftlichkeit bewirken, da sämtliche Folgekosten von Herstellungsprozessen vom Inverkehrbringer getragen werden müssen.

      Die fortschreitende Elektrifizierung geht Hand in Hand mit einer kompletten Vernetzung. Die Mikromedizin wird ihren Beitrag dazu leisten. Neuronale Implantate werden zu Unterhaltungselektronik und bringen das, was das Smartphone heute noch als extrakorporales Assistenzsystem leistet, in den Körper. Wo heute noch Befürchtungen vorherrschen, wird spätestens ab der PlayStation mit Neuroankopplung ein großes, von wenigen globalen Anbietern dominiertes Geschäft entstehen. Bioelektronische Medizin wird heute noch schlecht behandelbare Krankheiten therapierbar machen. Den niedergelassenen Arzt wird es nicht mehr geben, da Telemedizin, Wearables und andere KI-Systeme schneller und zuverlässiger Diagnosen stellen.

       

      microTEC Südwest: Welche Zukunftsthemen werden in diesem Jahr neben Corona Ihrer Meinung nach besonderes Gewicht haben?

      Dr. von Metzen: Die Bedeutung der Medizintechnik sowohl als wesentlicher Faktor für die medizinische Versorgung als auch als wirtschaftlicher Faktor ist wieder stärker in den Blick der Gesellschaft geraten. Aktuell gibt es einen starken politischen Willen, die Medizintechnik weiter zu stärken und auszubauen und auch die Abhängigkeit von Lieferketten zu reduzieren. Ich gehe davon aus, dass die aktuellen Förderungen nachhaltig wirken und diese Branche erstarkt; auch in Aspekten, die nicht direkt von CoVid getriggert sind. Dazu gehören auch die Themen In-vitro-Systeme zur Wirkstoffforschung, Organ-on-Chip sowie personalisierte Medizin.

      Klimapolitik und die damit verbundenen technischen Entwicklungen zur Energiegewinnung und ‑speicherung sowie Mobilität halte ich für die wesentlichen Themen, für die im Jahr 2021 wichtige Weichen gestellt werden.

       

      microTEC Südwest: Möchten Sie unseren Lesern noch etwas mit auf den Weg geben?

      Dr. von Metzen: Wenn Sie es noch nicht getan haben, dann schauen Sie doch mal in eine Fachgruppe von microTEC Südwest rein!

       

      microTEC Südwest: Herzlichen Dank für die Zeit, die Sie sich genommen haben, um unserer Fragen zu beantworten. Wir wünschen Ihnen eine gute Zeit und viel Erfolg.

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      Amandus Bieber
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